Indien - 16.2.-11.3.2002



Am 16. Februar sind wir aufgebrochen um für drei Wochen lang die Südspitze Indiens zu bereisen. Drei Wochen für einen Subkontinent ist natürlich ein bissel wenig, und so haben wir uns bewusst ein kleines Programm zurechtgelegt, das konnten wir auch ganz gut umsetzen - trotz kleinerer Widrigkeiten wie Generalstreiks und überfüllten Zügen.

Wir sind in Goa angekommen und haben uns dort erst einmal am Strand eingestimmt auf das was kommen möge - keine schlechte Idee, denn in Goa ist der Kulturschock nicht ganz so heftig und wir fühlten uns nach wenigen Tagen schon ganz wohl zwischen den Händlern, die billige Klamotten, Schmuck und Souvenirs an die Touristen hier verkaufen. Die meisten Händler kommen aus Karnataka, wo es im Hinterland eher wenig Tourismus gibt. Aber immer wieder sieht man auch Kashmiris, die hier mehr oder weniger traditionelle Produkte aus ihrer Heimat verkaufen, Teppiche, Messer, Schmuck, geschnitzte Figuren, Schachbretter - ein buntes Angebot.

Von Goa gings per Zug nach Hampi - Zugfahren in Indien ist ein Erlebnis für sich. Man darf auf keinen Fall versäumen, Plätze zu reservieren: Wer nicht reserviert, kriegt zwar die billigsten Fahrkarten, muss aber in die hoffnungslos überfüllten Holzklassewaggons, und da hört für Europäer wohl das Vergügen auf! Wir haben den Fehler leider einmal gemacht...

Hampi wimmelt von Ruinen, Tempeln, Baustellen an denen restauriert wird - und Travellern. Die Atmosphäre zwischen den Überresten der einzigartigen Anlagen einer reichen und für damalige Verhältnisse riesigen Handelsstadt ist einfach klasse. Grüne Reisfelder mit bunten Farbtupfern - Frauen in bunten Saris pflegen die Pflanzen.

Von Hampi gings weiter, einen Abstecher nach Bangalore, Arbeitskollegen besuchen. Lange halten wir es aber nicht in der Riesenstadt aus, auch wenn der Lalbagh Botanical Garden wunderschön ist.

Wir wollen nun, via Mysore, wo wir nur das Schloss besichtigen, in die Berge. Unser Ziel ist Madikeri, aber unterwegs treffen wir im Bus einen französischen Zen-Schüler, der hier bei tibetanischen Mönschen wohnt - in den 50ern in der Gegend von Kushalnagar angesiedelt, sind hier mit die grössten Exilkloster Tibets mit über 5000 Mönchen. Wir entschliessen uns schnell, das Wochenende bei ihnen zu verbringen.

Die Tibetis bieten einfache Zimmer ab 150 Rupien, wir sind nicht die einzigen Gäste. Am darauffolgenden Sonntag gibt es eine Zeremonie, der wir beiwohnen dürfen. Tausende Mönche sitzen auf Matten, vorne wird ein Text vorgelesen, im typischen Obertongesang gesungen und gebetet. Schliesslich werden alle verköstigt, Fladenbrot, eine Suppe und Tee wird von eingeteilten Helfern rasant an alle verteilt - auch wir kriegen was ab. Zum Abschluss wird an die Mönche noch ein Taschengeld verteilt: 40 Rupien für jeden, etwa 1 Euro.

Am selben Tag fahren wir weiter bis Madikeri, ein Bergdorf in dem wir zwei Tage bleiben und einen Wandertag einlegen. Wie überall sind die Inder, besonders die Kinder, ganz begeistert von uns und wollen fotografiert werden. Flugs stellen sie sich auf und schauen ernst in die Kamera. Die Landschaft um Madikeri ist zum Wandern ideal, in der Berregion ist die Luft auch relativ kühl und angenehm. Wir wandern zu den Abby Falls, einem kleinen Wasserfall in den umgebenden Bergen.

Danach heisst es erstmal wieder Bus fahren. Man ist gut beraten, in der Mitte zu sitzen, denn in den lezten Reihen wird man regelrecht hochgeschleudert, wenn der Bus mit Karacho durch die Schlaglöcher brettert ... und ganz vorne bekommt man einfach zuviel vom Gegenverkehr mit, da schaut man besser weg! Wir haben kurz Aufenthalt in Tellycherry, dort steigen wir dann in den Bus nach Thiruvanthapuram, früher Trivandrum.

Diese Fahrt dauert bis morgens, so dass wir um sieben Uhr ein Hotelzimmer beziehen und uns auf den Weg an den Strand machen - in Kovalam Beach. Hier ist eines der attraktivsten und bekanntesten Touristenziele, der organisierte Tourismus ist schon eingezogen in Form von Pauschaltouristen, die hier eine oder zwei Wochen am Strand braten. Das machen wir auch, für drei Tage. In Kovalam, wie überhaupt im Bundestaat Kerala, gibt es jede Menge ayurvedische Praxen, wo man sich mit Kräuterölen am ganzen Körper massieren lassen kann. Aber auch Spezialbehandlungen wie Augenyoga werden angeboten.

Ansonsten wird der Touristenmarkt von Textil-Shops beherrscht, der Schneider sitzt mit seiner fussgetriebenen Nähmaschine meist mitten drin und erledigt alles von Knöpfe annähen bis zum massgeschneiderten Anzug. Durch die grosse Konkurrenz und die in diesem Jahr spärlichen Touristen wird man leider ziemlich aggressiv angesprochen, aber wenn man ein paar Tage da ist wird man erkannt und dann auch mehr oder weniger in Ruhe gelassen.

In Kovalam gibt es ein unübersehbares Angebot an Restaurants, teils direkt am Strand mit frischem Fisch, teils in den Kokoswäldchen in zweiter Reihe, oft wird auch klasssischer indischer Tanz angeboten. Hier kann man es sich wirklich gut gehen lassen, ein Toruistenort eben. Wie es früher hier mal war kann man gut sehen, wenn man einmal einen Tag nach Süden wandert, das nächste Dorf ist leicht über die Strände erreichbar und bietet einen grossen Kontrast zu Kovalam. In Vizhinjam gibt es keine Touristen, aber zwei Gotteshäuser: Eine Moschee im Norden und eine Kirche im Süden, beide weithin sichtbar. Der Strand ist, wie das ganze Dorf, zweigeteilt, die Religionsgemeinschaften sind nach teils blutigen Fehden gar nicht gut aufeinander zu sprechen - ein typisches Phänomen im heterogenen Indien.

Eigentlich wollte ich mir auch ein Motorrad leihen und damit ein bisschen rumdüsen, aber dazu kam es leider nicht. Ich hab mich also darauf beschränkt, ein paar Enfields zu fotografieren. Die dicken 350er und 500er Maschinen sind hier dauernd zu sehen, wenn auch die 100er noch viel verbreiteter sind. Eine Enfield ist recht teuer und für Inder auch ein Statussymbol.

Nach ein paar Tagen hatten wir genug von Kovalam und wollten weiter. Über Verkala, wo wir zwei Nächte blieben, sollte es in die Backwaters gehen. In Allepey mussten wir allerdings unsere Pläne ändern: Generalstreik! Die Beamten in Kerala sollten die Bezüge gekürzt bekommen und reagierten mit einem Solidarisierungsstreik, bei dem sich auch alle anderen Dienstleister, Shopbesitzer, Taxifahrer, schlicht alle beteiligten. Da Streikbrecher hart abgestraft werden - Steinwürfe, Inbrandsetzung von Läden - war die Wirkung des Streiks überwältigend: Die sonst so lauten, hektischen Strassen leer, alle Rollläden an Shops unten, es ging einfach nichts! Nach einigen Versuchen, doch noch weiterzukommen, gaben wir auf und mieteten uns im besten Hotel am Platz ein, das für uns europäische Touristen dann auch das Restaurant geöffnet lies. Wir legten uns an den Pool, wo wir ein nordisches Pärchen trafen und mit Ihnen den Nachmittag verbrachten.

Am nächsten Tag gings dann weiter, auf die Backwaters! Wir entschieden uns, nach ausgiebigem Feilschen um den Preis, für eine kurze zweistündige Fahrt von Allepey nach Kottayam. Die Stimmung auf den Backwaters ist klasse. Man kann auch mehr Zeit hier verbringen, ein Hausboot samt Crew mieten und sich bekochen lassen - wir wollten aber weiter in den Nationalpark Periyar bei Kumily.

Dort haben wir ein super Zimmer mit Balkon und Blick auf die Hauptstrasse. Bei der Bootsfahrt morgens um sieben auf dem Stausee, inmitten des Nationalparks, passiert erst einmal gar nichts. Aber kurz bevor die Rundfahrt beendet ist, sehen wir ein kleines Rudel Elefanten mit zwei erwachsenen Kühen und zwei Babies! Sie schwimmen vor uns durch das Wasser und alle sind ganz aus dem Häuschen. Neben mir muss ein kleiner indischer Junge mit vereinten Kräften beruhigt werden, er flippt regelrecht aus!

Dummerweise fahren wenig Busse von Kumily nach Munnar, wo wir als nächstes hinwollen. Wir mieten uns also, zusammen mit einem britischen Pärchen, ein Taxi: EIn Taxi, das ist hier ein "Jeep" der Marke Mahindra, zusammen mit einm jungen Kerl als Fahrer. Die Fahrt über etwa 120km dauert fünf Stunden, unser Fahrer zeigt uns aber auch noch ein paar nette Stellen, wie einen Gewürzgarten (wo der Pfeffer wächst) und ein Aussichtspunkt hoch über der Grenze zwischen Tamil-Nadu und Kerala.

Munnar ist die unspektakuläre Kleinstadt inmitten einer spektakulären Landschaft. Stark zerklüftete Hänge, ausgebaut zu nicht enden wollenden Teeplantagen und Gewürzgärten. In Munnar gibt es ausserdem einen sehr lebhaften Markt, auf dem man einige Zeit verbringen kann.

Von Munnar wollten wir dann schnellstmöglich zurück nach Goa: die drei Wochen waren um, wie im Flug! Leider hat das nicht ganz hingehauen, wir kamen in Goa Samstag abend spät an, gerade noch rechtzeitig um bei Johncys am Strand ein wunderbares Abendessen zu bekommen. Am nächsten Morgen hiess es dann früh aufstehen, noch einmal im arabischen Meer schwimmen und dann die Sachen gepackt und an den Flughafen, zurück nach Frankfurt ...